Fragen an das MFS
Werner Großmann und Wolfgang Schwanitz ...
haben - so steht es in der offiziellen Ankündigung zur Lesung - Fragen von Schülern und Studenten gesammelt und beantworten sie.
Fotos, Audiorecording & Slideshow: © Ralf Gründer, 04.03.2010.
Moderation: Peter Wolter (jW), Datum: Berlin, 04.03.2010, 19.00 - 21.00 Uhr
Die Täter sind unter uns
Berlin, 05.03.2010/rg – Die Täter sind unter uns.
Sie sehen so aus wie Du und ich! Nur sie haben sich staatlicher Verbrechen schuldig gemacht.
Sie lauten: Einsperrung von ca. 17 Millionen Menschen in einem KZ-ähnlichen Staat,
Ermordung unschuldiger Menschen, die das Land gegen den Willen des Diktators
und seiner Stiefelknechte verlassen wollten, Beugung internationalen Menschenrechts, Folter.
Die Buchvorstellung „Fragen an das MfS: Auskunft über eine Behörde”
beginnt mit der Diffamierung: Alle anderen lügen! Hingegen die „junge welt”
– wie sollte es anders sein für ein Linkes Blatt – die „Wahrheit” schreibt –
vermutlich als Fortsetzung des propagandistischen SEW-Blattes „Die Wahrheit”.
In den einleitenden Worten des Redakteurs Peter Wolter wird sofort deutlich,
es geht hier weniger um das verbrecherische sogenannte Ministerium für Staatssicherheit (MfS),
als um die Missstände in der heutigen BRD. Diese sind laut Wolter:
Deutschland hat Afghanistan militärisch angegriffen,
„nicht-linke” Politiker sind käuflich und ein „Drittel der Bevölkerung
lebt in Armut” usw. Wie diese „heutigen Missstände”
die Verbrechen des MfS im Zeitraum 08.02.1950 bis 1990 rechtfertigen,
will der JW-Redakteur in den folgenden 90 Minuten moderieren.
Vorweg gesagt: Die Kasernierung von ca. 17 Millionen Menschen im sowjetischen
Satelliten-„KZ”-Staat DDR durch die sich häufigst
abwechselnden Diktatoren im Kreml und deren Marionetten, die großfläche
Ernte systemkritischer Jugendlicher für den Devisen-bringenden Menschenhandel
mit der Bundesrepublik, vom kriminellen Rechtsapparat, der willfährig Andersdenkende im
Gefolge von MfS-Maßnahmen und Zersetzungen zu langjährigen Haftstrafen verurteilte,
von Folter und Morden im staatlichen Auftrag der Kreml-Harlequins kein Wort!
Im vorgestellten Buch wird auch nicht erwähnt, dass „Mordaufträge„
gegen unliebsame Personen erteilt und auch ausgefíhrt worden sind.
Frau Sterneberg (Berlin) legte Generalleutnant a. D. Wolfgang Schwanitz
ein Dokument aus der Birthler-Behörde vor, in dem Schwanitz den Mordauftrag an
Willy Schreiber bestätigt hat. Dem Operativ-Vorgang „Eisladen II“
ist zu entnehmen, das Herr Willy Schreyer zu diesem Zeitpunkt noch keine Straftat begangen hatte.
Sollte es aber zur Ausführung dieser Straftat kommen
– also der Fluchthilfe für seine Ehefrau aus dem „KZ“-DDR
- sollte er „auf frischer Tat liquidiert” werden.
Das der Mordauftrag in diesem Fall nicht ausgeführt wurde,
bedeutet aber nicht, dass es zu keinen Liquidierungen im staatlichen Auftrag durch das MfS kam,
wie die Fälle Kurt Lichtenstein (erschossen am 12. Oktober 1961),
Dieter Beilig (ermordet am 02.10.1971) und Michael Gartenschläger
(liquidiert am 30.04.1976) belegen. Die rücksichtslose Anwendung der Schusswaffe
gegen Kinder und Jugendliche fand ebenfalls bei den MfS-Aufklärern aus den eigenen Reihen keine Entsprechung.
Ermordet wurden die Kinder Lothar Schleusener (14.01.1953 - † 14.03.1966),
Jörg Hartmann (27.10.1955, † 14.03.1966) sowie die Jugendlichen
Marinetta Jirkowski (25.08.1962, † 22.11.1980) und Chris Gueffroy
(21.06.1968, † 05.02.1989).
Durch Unterlassung von Erste-Hilfe-Maßnahmen nach Schussverletzungen
wurden Michael-Horst Schmidt (20.10.1964, † 01.12.1984) und
Silvio Proksch (03.03.1962, † 25.12.1983) zu Tode gebracht.
Diese Aufzählung könnte mühelos weitergeführt werden!
Das Mord und Totschlag „tschekistische Freunde” des MfS waren,
belegt sehr eindrücklich eine Tonbandaufnahme mit Erich Mielke,
der während einer Dienstbesprechung folgendes sagte:
„Damit in diesem Kreis völlige Klarheit besteht, noch ein prinzipieller Hinweis
zur Anwendung von Schusswaffen [...] zum Zwecke der Verhinderung von ungesetzlichen Grenzübertritten
an der Staatsgrenze zur BRD und zu West-Berlin siehe an der Seegrenze.
Entsprechend einer Weisung des Ministers für Nationale Verteidigung sind Schusswaffen noch anzuwenden,
wenn das Leben von Grenzsicherungskräften oder anderer Personen wie z. B. Geiseln
durch Grenzverletzer oder bewaffneter Überfälle von Außen bedroht ist
und die Gefahr auf keine andere Art und Weise beseitigt werden kann.
Die Schusswaffe ist auch anzuwenden zur Verhinderung von Fahnenfluchten. [...].
Ich möchte euch auch sagen, aber sie sind doch auch richtig verhalten, war die Sache,
als man mit dem Kras, äh, äh - mit diesen schweren, äh, was ist das Mensch, quasi, quasi, LKW,
großer schwerer, versuchte nech wahr, ... in Potsdam durchzubrechen, und dass der Grenzer
einen Warnschuss losgelassen hat, der noch nicht einmal von drüben registriert wurde,
ist natürlich also berechtigt nech wahr. [...]. Ich sage euch dass deshalb,
damit keine Unsicherheit eintritt nech wahr. [..]. Diese Weisung gilt natürlich auch Genossen,
für Angehörige des MfS, die ungesetzliche Grenzübertritte zu verhindern zu haben,
.. zu verhindern haben. Mit allem Nachdruck fordere von den Leitern der zuständigen Diensteinheiten
die strikte Durchsetzung dieser Weisung Sorge zu tragen. In diesem Zusammenhang möchte
ich noch kurz ein Beispiel anführen, ich hatte jetzt schon gewarnt, aber ...
Vorgestern konnte im Bezirk Potsdam – Glienicke/Nordbahn - unter Abgabe eines Warnschusses
durch Angehörige der Grenztruppen ein gewaltsamer Grenzdurchbruch mittels eines entwendeten
LKW - Kras-Kipper heißt das, Kras-Kipper, Kras-Kipper, verhindert werden.
Hierbei hat sich erneut bestätigt, dass es in bestimmten Situationen,
wenn gewaltsamer Angriff auf die Staatsgrenze mittels schwerer Technik oder anderer gefährlicher Mittel
erfolgen und damit das Leben von Grenzsicherungskräften gefährdet wird,
durchaus unumgänglich sein kann, mit der Abgabe eines Warnschusses darauf zu reagieren,
die weitere Tatausführung zu unterbinden.
Ich will euch überhaupt mal etwas sagen Genossen, wenn man schon schießt,
dann muss man das so machen, dass nicht der Betroffene noch wegkommt,
sondern dann muss er eben dableiben bei uns. Ja - so ist die Sache! Was ist denn das,
70 Schuss loszuballern und der rennt nach drüben, und die machen eine riesige Kampagne.
Da haben sie recht Mensch zu schießen, sollen sie eine Kampagne machen - das ist alles -
wie hat der gesagt, Hans Albers, schieß das Scheißhaus! {Mielke lacht} ...
im Film freilich, entschuldigt bitte. Das kann man ruhig ein bisschen lustig machen,
ist doch klar, na hör mal zu Mensch!!!
Quelle: Erich Mielke auf einer Dienstbesprechung Anfang 1989 in Berlin über
„Operative Maßnahmen” nach Erlass der Reiseverordnung vom 13. Dezember 1988,
in: Otto, Wilfriede: Erich Mielke, Biographie, Audio-CD. Siehe auch: Bästlein, Klaus:
Der Fall Mielke, Schriftenreihe Recht und Justiz der DDR 3.
Die Täter sind unter uns! Was würden wir denken und
wie würde sich die Öffentlichkeit verhalten, wenn die Generäle der Deutschen Wehrmacht,
der Gestapo und der SS ihre Verbrechen in Büchern
(für Schüler und Studenten) rechtfertigen würden?
Die Täter sind unter uns! ... und verhöhnen ihre Opfer!;
aufgepäppelt mit einer Rente, die vom Steuerzahler der BRD eingezahlt wurde!
Diese verhöhnte Günter Schabowski wie folgt:
»Dem vom Springer allmorgendlich mit druckfeuchten Scheuklappen versehenen
bundesdeutschen Normalverbraucher bietet sich der Staat als ein verwirrendes Götzenwesen dar,
halb Esso-Tiger, halb heilige Kuh. Steuern pressend und Almosen spendend,
notstandsdrohend und Demokratie röhrend, Atomwaffen heischend und Friedenssprüche fauchend.
Ein Monster, das alle vier Jahre scheinbar aufs neue von den Parteien zugeritten wird.
Dem Zuschauer auf der Straße verheißt man, das Tigermaul gegen „die anderen„
zu richten, aus dem Kuheuter aber kräftig in den Eimer des Wählers zu melken.
Die Hand der Monopole, die in Wirklichkeit das Ding lenkt,
bleibt in den Kulissen der politischen Bühne verborgen.«
Günter Schabowski: Sie fragen – wir antworten, in: Visite, 1-69, Seite 33.
Das wohl dämlichste Argument aller Zeiten für die Rechtstaatlichkeit des MfS
sprach Schwanitz aus, indem er die MfS-Kritiker aufforderte,
Einsicht in Ihre BND-Akte zu beantragen!!
Als hätte jemals ein DDR-Bewohner beim MfS Akteneinsicht beantragen können bzw. sie gewährt bekommen!
Die Redaktion Berliner-Mauer.de wünscht Ihnen eine hohe Aufmerksamkeit beim Hören
des ungekürzten und uneditierten Mitschnitts der Veranstaltung.
Redaktion Berliner-Mauer.de: Ralf Gründer,
Tel.: 030-417 19 240 oder 0163-161 29 89
Internet: Berliner-Mauer.de.de
Schwanitz unterschreibt Mordauftrag
Deckblatt Tgb.-Nr: 4268 Mordauftrag, 25. April 1986.
Eröffnungsbericht zum Operativ-Vorgang „Eisladen II”, darin heißt es unter anderem: „Es wird vorgeschlagen den Bürger [...] in einem [geschwärzt] zu bearbeiten, weil der Verdacht besteht, daß er strafbare Handlungen gem. § 213 StGB vorbereitet und durchzuführen beabsichtigt.” Zitat: Ende!
Zitat: Zielstellung der Bearbeitung: [...] - durch Einleitung geeigneter operativer Maßnahmen [...]
die geplante Auschleusung des [geschwärzt] zu verhindern.
Sollten sich dazu geeignete Voraussetzungen bieten, die wegen der zu erwartende
operative Effektivität ein derartigen Vorhaben rechtfertigen,
ist die Liquidierung auf frischer Tat anzustreben.
Gez.: Leiter der Kreisdienststelle Oberstleutnant Bartels
Sachbearbeiter Oberleutnant Richter
Bestätigt: Generalleutnant Schwanitz
Datiert: Berlin, 11 März 1986